Die digitale Modellathletin
Von . Aktualisiert am 09.03.2010
Die Zeiten, in denen Musiker anhand der Anzahl Klicks auf ihre Myspace-Seite eingeschätzt wurden, sind eigentlich vorbei. Längst ist bekannt, dass da munter manipuliert wird und die meisten der Besuche vom Urheber selbst gemacht werden.
Bei der Sängerin Imogen Heap wird dennoch gerne eine Ausnahme gemacht. Ihre Myspace-Seite wurde über 16 Millionen Mal besucht, weshalb die Engländerin landläufig als Modellathletin des Web-2.0-Zeitalters gefeiert wird. Ein Status, den sich Imogen Heap auch damit verdient hat, dass es ihr gefällt, das Youtube-Portal mit massenhaft selbst gedrehtem Filmmaterial zu versorgen, auf welchem alles, aber auch wirklich alles über die 33-Jährige zu erfahren ist, die bereits im Atari-Zeitalter mit dem Produzieren elektronischer Musik begonnen hat.
Vom Gerber zum Grammy
An der diesjährigen Musikmesse Midem trat der Manager von Imogen Heap an einem Panel auf und verriet, dass drei Leute tagtäglich mit nichts anderem betraut sind, als Frau Heap im Netz bekannt zu machen und den Kontakt mit der wachsenden Fan-Gemeinde zu pflegen.
Ein Konzept, das aufgegangen ist. Die Frau, die einst als Gastsängerin des Berner Bassisten Mich Gerber für Aufhorchen sorgte, die mit ihrem Projekt Frou Frou bezaubernden Elektro-Pop produzierte und 2004 ihre Wohnung verpfändete, um die Produktion ihrer ersten Solo-CD zu finanzieren, hat mittlerweile einen Grammy bei sich zu Hause stehen (in der nicht ganz so gloriosen Kategorie «Best Non-Classical Engineered Album»), und sie ist mit ihrem aktuellen Werk «Ellipse» auf Rang fünf der US-Charts geschossen.
Ein Album, das etwas allzu starr in einer lullenden Säusel-Elektro-Pop-Geschmeidigkeit verharrt, aber immerhin voller ungeläufiger Programming-Ideen steckt. (ane)
Turnhalle Progr, Bern. Mittwoch, 10. März, 20.30 Uhr.

