Zwischen Film und Wirklichkeit

Von Daniel Di Falco. Aktualisiert am 05.03.2010

Unfälle und Überfälle, Verhaftungen und Verfolgungen, Rauch auf dem Highway und Blut auf dem Trottoir: Der öffentliche Raum wird Studio.

Realität? Hollywood? Oder beides? Aus «L.A. Crash» (2006). (Mirko Martin/zvg)

Realität? Hollywood? Oder beides? Aus «L.A. Crash» (2006). (Mirko Martin/zvg)


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Gibt es noch Leute, die fotografieren: einfach fotografieren? Wer heute von einer Hochschule kommt und etwas gelten will, der befragt «unsere Wahrnehmungsgewohnheiten», treibt ein «Spiel mit Realität und Fiktion» und untersucht die «Wahrheit der Fotografie».

Bei Mirko Martin ist das nicht anders, doch der Deutsche mit Jahrgang 1976 hat wesentlich mehr in diesen Anspruch investiert als etwa Mathieu Bernard-Reymond, der lediglich Fernsehfiguren wie flirrende Hologramme in nächtliche Stadtszenen einmontiert («TV») und mit diesen Bildern ebenfalls im Photoforum PasquArt in Biel zu sehen ist. «L.A. Crash» heisst Mirko Martins Arbeit – er hat die Sets auf den Strassen von Los Angeles besucht, auf denen Hollywood seine Filme dreht.

Unfälle und Überfälle, Verhaftungen und Verfolgungen, Rauch auf dem Highway und Blut auf dem Trottoir: Der öffentliche Raum wird Studio, doch Martin zeigt das Fiktionale der Szenen in seinen lakonischen Bildern nicht. Mehr noch: Er vermengt sie mit Aufnahmen, die das echte Leben auf den Strassen zeigen. Realität oder nur ein Film? Die Frage bleibt stets offen, und das steigert die Beklemmung noch, die in diesen Bildern liegt: Möglicherweise ist Los Angeles in Wirklichkeit nicht weniger brutal als in den Filmen. Auf jeden Fall – und damit besticht Mirko Martins Arbeit – ist diese Stadt der beste Ort der Welt, um Ernst zu machen mit der notorischen Frage nach Realität und Fiktion in der Fotografie: Hier wird die Welt zum Film, und die Fiktion wird real. Einen Klumpfuss allerdings hat «L.A. Crash», und es ist weniger die unkohärente Bildsprache, die formale Fahrigkeit. Ohne Text kann kein Foto seine Aussagekraft entfalten, doch Martins Bilder brauchen so viel davon, dass sie schwerfällig werden: Sie verlangen dem Betrachter das ganze Konzeptwissen ab, damit er überhaupt sieht, was sie zeigen sollen.

Noch bis 14. März.

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